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Midlife: Körper und Identität in der Lebensmitte

Vor Kurzem habe ich Lena Steiger ein kleines Interview für ihren Blog* gegeben. Lena ist systemische Therapeutin und arbeitet in eigener Praxis in Waldbröl zum Thema Essverhalten und Essstörungen. Es ging um meine Sicht auf die Midlife und auf das Verhältnis, das Frauen in dieser Zeit zu ihrem Körper haben. Hier findest du die Zusammenfassung des Artikels.


DIE LEERSTELLE DIE AUFFÄLLT


Die Frauen, die zu mir in meine digitale Praxis kommen, sind gut informiert. Sie haben ihre Hormone überprüfen lassen, die Podcasts gehört und tauschen sich aus. Und trotzdem sagen viele denselben Satz: Innerlich bin ich unruhig, und ich weiß nicht, warum.


Die körperliche Seite der Lebensmitte bekommt endlich Aufmerksamkeit, und das ist gut und längst überfällig. Was kaum Sprache findet, ist die Entwicklungsaufgabe darunter: die Frage, wer man ist, wenn die Rolle, die jahrelang Halt gegeben hat, nicht mehr trägt. Meine Arbeit sitzt in dieser Lücke, zwischen dem, was gynäkologisch oder therapeutisch versorgt wird, und dem, was dazwischen übrig bleibt: die Sinnfrage und das leise Gefühl, am eigenen Leben vorbeizuleben.


WENN DER EIGENE KÖRPER FREMD WIRD


Oft sitzt mir eine Frau gegenüber, die schon eine lange Odyssee hinter sich hat und trotzdem das Gefühl, den eigenen Körper nicht mehr zu kennen. Was über Jahre zuverlässig funktioniert hat, trägt auf einmal nicht mehr. Die Erschöpfung kommt schneller, das Tempo, das früher selbstverständlich war, lässt sich nicht mehr halten. Das gehört zum körperlichen Wechsel in der Perimenopause und hat mit Versagen nichts zu tun. Bis dieses Verstehen wirklich im Körper ankommt, vergeht oft eine Weile, und so arbeiten viele lange gegen ihren Körper, bevor sie anfangen, mit ihm zu arbeiten.


In der Midlife stehen viele Frauen noch einmal sehr grundsätzlich vor einer Frage, die alles andere als oberflächlich ist: Wie will ich mich eigentlich zu meinem Äußeren verhalten? Dahinter liegt das Selbstbild und die Frage, für wen man sich überhaupt zeigt und wer man ist, wenn man aufhört, sich dafür zu verbiegen.

Im Essverhalten wird dieser Druck oft am deutlichsten spürbar. Viele Frauen spüren den Wunsch, den Körper wieder zu kontrollieren oder zu verändern, während sie sich in Wahrheit nach Entlastung sehnen.


Und dann meldet sich oft noch etwas, das schwerer wiegt, als man zunächst vermutet. Viele Frauen haben schon in ihren Zwanzigern und Dreißigern mit ihrem Körper gehadert. Sie haben sich an einem Bild gemessen, das immer eine Nummer kleiner war als sie selbst, und über Jahre eine leise Geringschätzung mitgetragen, die irgendwann ganz selbstverständlich wurde.


Wenn sich der Körper in der Lebensmitte nun deutlich verändert, schauen manche zurück und bemerken etwas, das wehtut: Dieser junge Körper, gegen den ich so lange gekämpft habe, war die ganze Zeit in Ordnung. Ich hatte ihn, und ich habe ihn behandelt, als wäre er ein Makel.


Was sich da zeigen kann, ist eine Form von Trauer. Trauer um die Jahre, in denen so viel Kraft darauf verwendet wurde, schlank und akzeptabel zu sein, und um die Härte gegen sich selbst, die das gekostet hat.


Es hilft oft, hinter dieser Trauer das Größere zu sehen. Eine Gesellschaft, die den Wert einer Frau lange an einen schlanken, jungen Körper geknüpft hat, hat diesen Maßstab in unzählige Mädchen hineingelegt, lange bevor sie ihn hätten hinterfragen können. Was wie ein persönliches Versagen aussieht, ist die nachvollziehbare Folge davon, in genau diesen Bildern groß geworden zu sein.


Diese Erkenntnis ist oft schmerzhaft, und sie ist zugleich ein Wendepunkt. In dem Moment, in dem eine Frau erkennt, dass der Kampf gegen ihren Körper nie ihr eigener war, kann sie ihn beenden. Der Blick darf sich weiten, weg von der Frage, wie ihr Körper auszusehen hätte, hin zu der Frage, was er ihr die ganze Zeit erzählt hat. Der Körper hört auf, ein Projekt zu sein, und wird wieder ein Ort, an dem sie wohnen kann.


WENN DU MAGST


Ich arbeite digital und bin für Frauen in ganz Deutschland erreichbar. Wenn du spürst, dass du nicht mehr nur weiterfunktionieren möchtest und noch nicht weißt, was stattdessen kommt, lade ich dich zu einem ersten, kostenfreien Kennenlernen ein. Auf Instagram findest du mich unter @hej.ichbinanna.


*Das ganze Interview, und vor allem Lenas fachlichen Blick auf das Essen in der Lebensmitte, kannst du auf ihrem Blog lesen. Wenn du merkst, dass dein Verhältnis zum Essen dich ernsthaft belastet, ist Lena genau die richtige Ansprechpartnerin und eine absolute Herzensempfehlung!

 
 
 

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